Johann Bossard: Das Tragikomische Labyrinth: Technokratie

1944-46, 74x102 cm, Bleistift und Kohle auf Karton

 „Wilde übersteigerte Technik, der Mensch wurde ihr Sklave. Alles wurde so sinnvoll, daß es zu Unsinn wurde. Maschinen, Schallwellen und Konstruktionen. Und doch liegt ein zauberhafter Reiz  über dieser schwingenden, kreisenden, phantastischen Sachlichkeit, in welcher der Mensch zu einem Nichts wurde, zu Material, daß eingesogen und wieder ausgespien, zu neuer Verwandlung bereitet wird.“

 

Mit diesen Worten beschreibt Jutta Bossard Technokratie. Die Kohlezeichnung Johann Bossards ist Teil eines fast 200 Gemälde und  Grafiken umfassenden Zyklus, dem der Künstler sich in den letzten Jahren seines Lebens von 1944 bis 1949 widmete. Den Zyklus  unterteilte er in zwölf sogenannte „Kreise“.  Technokratie zählt zu dem 18 Tafeln umfassenden „Kreis“ Das Tragikomische Labyrinth.  Auf dem Blatt beherrschen Technik, Geometrie und Industrie ein abstrahiertes Stadtbild.  Kreise und Gerüste dominieren den Bildvordergrund.  Eine Art überdimensionierter, steriler Robotermensch sitzt in der linken Bildhälfte. Er scheint durch Rohrleitungen mit einem überdimensionierten Gerüst verbunden zu sein. In den Mund einer dreigesichtigen Figur im rechten Bildfeld marschieren Strichmenschen aus dem Mund des hinteren Gesichts fallen sie als verkleinerte Masse heraus und hinab in den weit aufgerissenen Schlund eines weiteren Kopfes.

Das Thema Werden und Vergehen, das Bossard ganzes Werk durchzieht, bestimmt auch die „Kreise“, in denen der Künstler den Aufgang und Niedergang ganzer Kulturepochen darstellt. Darüber hinaus setzt er sich auch kritisch mit dem unmittelbaren Zeitgeschehen – der NS-Diktatur und den Schrecken des Krieges –   auseinander. Er bleibt dabei meist seiner mythologisch und religiös verrätselten Bildsprache treu. In dem Tragikomischen Labyrinth überrascht Bossard mit bärbeißig-humorvollen, karikaturistischen Darstellungen, die der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten.

Ab dem 25.2. ist Technokratie in der Ausstellung Schlummernde Schätze I: Bossards „Kreise“ an der Kunststätte Bossard zu sehen.

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