Jutta Bossard: Kaffeeservice für Christa Schaal

Jutta Bossard: Kaffeeservice, 1939, Porzellan, handbemalt

Jutta Bossard schenkte 1939 ihrer Nichte Christa Schaal zur Konfirmation ein handbemaltes Kaffeeservice der Marke Thomas Bavaria. Sie bemalte Kännchen, Tassen und Untersetzer mit einer Mischung aus rotbraunen, abstrakten Formen und figurativer Ornamentik. Darüber hinaus lassen sich einzelne weibliche und männliche Figuren erkennen, wie ein Frauenkopf im Spiegel und einzelne Figuren und Köpfe am Tellerrand. Unter anderem porträtierte Jutta Bossard auch die Bewohner der Kunststätte Bossard.

Spätestens nach dem ersten Weltkrieg verfolgte Johann Bossard das Ziel, sein Anwesen in der Heide schrittweise zu einem Gesamtkunstwerk auszubauen. Dabei strebte der Künstler nach einer Einheit  von Kunst und Leben. Dies bedeutete auch, dass möglichst alle Gebrauchsgegenstände künstlerisch gestaltet sein sollten. Viele Gegenstände, wie Obst- oder Holzschalen, schufen das Ehepaar Jutta und Johann Bossard selbst. Wenn sie aber einmal auf industriell gefertigte Ware zurückgriffen,  unterzogen sie diese einer künstlerischen Überarbeitung und bezogen sie so stilistisch in das Gesamtkunstwerk ein.  So bemalten die Bossards auch industriell gefertigtes Porzellan von Hand.  Dies wurde zu Lebzeiten der Bossards im eigenen Haushalt verwendeten oder zu besonderen Anlässen verschenkt.

Jutta Bossard schuf in ihrer Zeit an der Kunststätte eine Vielzahl keramischer Arbeiten. Auch Johann Bossard bemalte Kaffeeservice oder schuf expressive Keramiken. Das Ehepaar brachte seine keramischen Arbeiten zum Brennen an die Kunstgewerbeschule am Lerchenfeld in Hamburg, wo Johann Bossard eine Bildhauerklasse unterrichtete. Sein Kollege Max Wünsche kannte sich hervorragend mit der Zubereitung von Massen, mit Brenntemperaturen und mit der Zusammensetzung von Glasuren und Farben aus. Jutta Bossard studierte ab 1921 an der Kunstgewerbeschule. Zunächst belegte sie als Hauptfach Keramik und im Nebenfach Bildhauerei. Im Verlauf ihres Studiums wechselte sie im Hauptfach zu der  Bildhauerklasse ihres späteren Ehemannes Johann Bossard, behielt Keramik aber als Nebenfach.

Das Porzellanservice der Christa Schaal kam im Zuge der Museumsgründung 1997 als Schenkung der einst Beschenkten zurück an die Kunststätte. Ausgewählte Stücke daraus, auch der abgebildete Teller mit einem Selbstporträt Jutta Bossards, sind noch bis zum 25.02.2018 in der aktuellen Ausstellung zu sehen.

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