"Über dem Abgrund des Nichts" Die Bossards in der Zeit des Nationalsozialismus

02.12.2018 – 05.05.2019

„Über dem Abgrund des Nichts“ – so empfand Johann Bossard die Situation in Deutschland 1933. Durch sein Gesamtkunstwerk, die „Kunststätte Bossard“, wollte er einen Impuls zur Besserung der Verhältnisse geben. Die Ausstellung wird erstmals der Frage nachgehen, wieweit dieses utopische Anliegen Jutta und Johann Bossard in die Nähe der NS-Ideologie führte.

Fragen wirft das heroische Körperideal mancher Kunstwerke auf, ebenso die Begeisterung für Runen und nordische Mythologie, so im 1932–1935 gemeinsam geschaffenen Eddasaal. Von 1932 bis Mitte 1934 ist tatsächlich eine vorsichtig aufgeschlossene Haltung Johann Bossards zum Nationalsozialismus zu erkennen, bis hin zu einer Wettbewerbsbeteiligung im Frühjahr 1934.

Dennoch wahrten die Bossards Distanz zum neuen Regime. Einer Parteimitgliedschaft wichen sie aus – was für den Beamten und Lehrer Johann Bossard nicht einfach gewesen sein kann. Ab dem Herbst 1934 wurde er vorsichtig und bemühte sich, nicht aufzufallen. Dennoch arbeitete er weiter im expressionistischen Stil, auch in seinem Atelier an der Hochschule in Hamburg.

Ungewohnt deutlich schrieb Johann Bossard im März 1937 an einen Freund: „Die Erfolglosigkeit meiner Lebensarbeit ist kein Argument gegen den künstlerischen Wert meiner Werke. Vielleicht ist es sogar eine Gunst des Schicksals, dass wir nicht den Missbrauch guter Absichten zu erleben brauchen.“

Die Ausstellung präsentiert Kunstwerke aus der Sammlung der Kunststätte Bossard und stellt bislang unpublizierte Archivalien vor. Begleitend zur Ausstellung erscheinen ein Katalog und eine Edition der theoretischen Schriften Johann Bossards.

 

Abbildung:

Johann Bossard: Tanzender Frauenakt (Ausschnitt), o.J. (um 1942), Pastellkreide und Aquarell auf Papier, Foto: Backens

Flyer und Sonderführungen

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