Oskar Kokoschka, Reisestationen

Druckgrafik und Zeichnungen aus der Sammlung und Kunststiftung Spielmann-Hoppe

01.03.2020 – 23.08.2020

Kamelmarkt II, 1965/66, Lithographie © Fondation Oskar Kokoschka / VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Der österreichische Maler und Zeichner Oskar Kokoschka (1886–1980) zählt zu den bedeutendsten europäischen Künstlern des 20. Jahrhunderts. Als Vertreter des Expressionismus und der Wiener Moderne wurde er u.a. durch Sammler wie Paul Cassierer (1871–1926) und Karl Ernst Osthaus (1874–1921) vom Museum Folkwang in Hagen international bekannt.

Bereits 1908 träumte Kokoschka an der Kunstgewerbeschule in Wien von einer Afrika-Reise, die erst 1923 Wirklichkeit wurde. Als Freiwilliger im Ersten Weltkrieg schwer verwundet, wandte er seinen künstlerischen Ausdruck dem Expressionismus und der Wiener Moderne zu. Seine Kunst wurde durch die Nationalsozialisten  diffamiert und als ‚entartet‘ bezeichnet.  Als engagierter Antifaschist musste er – inklusive mehrerer Reisestationen – erst nach Prag und dann nach England flüchten. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits viele Reisen durch Europa unternommen.

Die aktuelle Ausstellung zeigt Druckgrafiken aus der Sammlung und Kunststiftung Spielmann-Hoppe aus den Jahren 1910 bis 1975. Die Reiseskizzen führen uns nach Italien, Griechenland, Marokko, Tunesien, London und New York, aber auch nach Hamburg und Berlin.

Prof. Dr. Heinz Spielmann schreibt zu Kokoschkas Reisebildern folgendes in seinem Katalog „Oskar Kokoschka, Reisebilder“:  „Kokoschkas Darstellungsmodus erscheint in seinen Reise-Lithografien malerisch und großzügig; der ausgedehnte Blick, der sich über das schmale Sehfeld hinaus weitet, war dem Zeichner ebenso wichtig wie der Himmel, der die Szenerie überspannt. In diesen Lithografien machte er sich Erfahrungen seiner gemalten Reisebilder zu Nutze.“

Kokoschka versuchte mit dieser Vorgehensweise die ganze Weite des Raumes zu zeigen. Weiterhin verstand er seine Bilder als zeitgeschichtliche Dokumente, da er davon ausging, die Welt sei nie wieder so wie in diesem Moment.

Eine seiner ersten Reisestationen ist Hamburg. Hier erhielt Kokoschka u.a. Aufträge, verschiedene Stadtansichten anzufertigen. So zeichnete er erhöht in einer Arbeiterkabine eines Krans der Stülcken-Werft den Hamburger Hafen samt Michel. Der deutlich längere Aufenthalt in Italien führte ihn nach Florenz, Neapel und in die Region Apulien. Stadtansichten, Landschaftseindrücke und berühmte Kunstwerke wie die „Sklaven“ von Michelangelo dominieren die Bildmotive.

In Griechenland entstand die Folge von 19 Lithographien „Bekenntnis zu Hellas“ als Aufruf, die Freiheit als Lebensprinzip zu wählen. Viele seiner Blätter zeigen Figuren und Statuetten, die wie lebendige Menschen dargestellt werden. Bereits 1928 reiste er nach Tunesien und Algerien. Dort fertigte er damals nur Gemälde und keine Lithographien an.

In den 60er und 70er Jahren allerdings kehrt Kokoschka nach Nordafrika und Israel zurück. Er beschäftigt sich mit dem Treiben in der Stadt, vor allem mit den Märkten und Menschen dieses für ihn besonderen Kontinents, außerdem mit den Zeugnissen der Antike. New York und London zeigen in der gleichen Zeit ganz andere Reisestationen, ganz andere Stadtansichten: moderne Fassaden, die Freiheitsstatue oder die Tower Bridge.

Wir danken der Sammlung und Kunststiftung Spielmann-Hoppe in Hamburg für die großzügigen Leihgaben und im Besonderen Herrn Prof. Dr. Heinz Spielmann für die tatkräftige Unterstützung.

 

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