Johann Michael Bossard

Johann Bossard im Garten der Kunststätte, o.J (um 1930)

Johann Michael Bossard (1874-1950) wurde in Zug in der Schweiz geboren. Er wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. 1880 verlor sein Vater aufgrund einer Bürgschaft seine ganze Habe und auch das Haus, in dem die Familie lebte und wo der Schlosserbetrieb untergebracht war. Der nächste Schicksalsschlag folgte, als Johann Bossard elf Jahre alt war. Nach einer schweren Krankheit verlor er die Sehkraft seines rechten Auges. 1893 schloss er eine Ausbildung in einer Hafnerei in Zug ab. Hier erlernte er das Ofenbauen sowie das Modellieren und Bemalen von Kacheln.

 

Ab 1894 studierte Johann Bossard in München Bildhauerei. Ein Stipendium des Bürgerrats von Zug unterstützte ihn finanziell. 1899 setzte er sein Studium in Berlin fort, nun mit dem Schwerpunkt Malerei. Sowohl mit grafischen Arbeiten, wie dem Zyklus „Das Jahr“, als auch mit spätklassizistischen Kleinplastiken, Kinderdarstellungen und mythischen Figuren, machte sich der Künstler um 1900 einen Namen.

 

1907 wurde Johann Bossard als Lehrer für Bildhauerei an die Kunstgewerbeschule Hamburg berufen. 1912 folgte seine Beförderung zum Professor. In diesen Jahren entwarf der Künstler zahlreiche Bauplastiken für Gebäude in Hamburg und Berlin, sowie einige Grabmäler. 1911 ermöglichten ihm seine Einkünfte den Erwerb eines drei Hektar großen Grundstücks in Wiedenhof nahe Jesteburg. Dort begann 1913 der Bau eines Wohn- und Atelierhauses.

 

Der Erste Weltkrieg löste gesellschaftliche Strukturen auf. Auch für Johann Bossard bedeutete diese Zeit einen Einschnitt. Von 1916 bis 1918 diente er als Freiwilliger an der Westfront.

 

Anschließend, ab 1919, setzte der Künstler auf seinem Grundstück nach und nach die Idee eines Gesamtkunstwerks um. Die Privaträume im Wohn- und Atelierhaus wurden gestaltet, genauso wie der Garten angelegt. Dabei entstanden sowohl meditativ-kontemplative Räume wie der Baumtempel, aber auch Nutzflächen wie die Ackerfläche oder der Nutzgarten. Auch die Selbstversorgung war Bestandteil des Gesamtkunstwerks.

 

1926 heiratete Johann Bossard die 29 Jahre jüngere Bildhauerin Jutta Krull, seine ehemalige Schülerin. Mit dem gemeinsamen Bau des Kunsttempels von 1926 bis 1929 begann die kontinuierliche Zusammenarbeit des Künstlerehepaars an dem Gesamtkunstwerk. Von 1932 bis 1935 gestaltete Johann und Jutta Bossard als letzten Raum im Wohn- und Atelierhaus den Eddasaal.

 

Nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler 1933 hoffte Johann Bossard, mit seinen Visionen einer neuen Gesellschaftsordnung einen Beitrag zum Wiederaufbau Deutschlands leisten zu können. Depression und Inflation hatten der Weimarer Republik in den 1920er Jahren schwer zugesetzt. Johann Bossard und seine engen Freunde und Förderer Theo Offergeld und Helmuth Wohltath versuchten, Funktionäre der NSDAP für das Gesamtkunstwerk in der Nordheide zu begeistern – letztlich ohne Erfolg. Im Spätsommer 1934 erkannte der Künstler schließlich, dass seine gesellschaftsutopischen und künstlerischen Anliegen nicht mit denen der Nationalsozialisten kompatibel waren. Er zog sich weitestgehend aus dem öffentlichen Leben zurück.

 

Viele Fragen zur Geisteshaltung des Künstlers Johann Bossard und seiner Frau sind noch heute ungeklärt. Im Sommer 2021 beauftragte die Stiftung Kunststätte Johann und Jutta Bossard das Institut für Zeitgeschichte München-Berlin mit der objektiven und wissenschaftlich fundierten Aufarbeitung der Rolle des Ehepaares Johann und Jutta Bossard zur Zeit der nationalsozialistischen Diktatur. Das Forschungsvorhaben wird sich über mehrere Jahre erstrecken. Die Ergebnisse und Zwischenergebnisse dieser Forschung werden regelmäßig im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Reden wir über Bossard“ an der Kunststätte Bossard vermittelt.

 

Den Zweiten Weltkrieg überstand die Kunststätte bis auf wenige zerbrochene Fensterscheiben unbeschadet. 1944 wurde Johann Bossard pensioniert. Im Jahr 1950 starb er. Jutta Bossard erwirkte eine Sondergenehmigung für ein Urnengrab auf dem Grundstück, am Ende der Monolithenallee.