Johann Bossard: Huckepack (1900/1906), JB 723

Bei der Ausstellung im Berliner Kunstsalon Keller & Reiner 1906 stellte Johann Bossard neben grafischen und keramischen Arbeiten sowie dem Modell zur Monumentalplastik Das Leben eine Gruppe Kleinplastiken aus, unter anderem auch die Bronze Huckepack.

 

In neoklassizistischem Stil gearbeitet, zeigt die Arbeit eine männliche Figur, die ein Kind auf den Schultern trägt. Mit der linken Hand umfasst sie den einen Fuß des Kindes, mit der rechten das andere Schienbein. Das Kind wiederum hält sich mit nur einer Hand an der Stirn des Mannes fest, die andere hat es zum Winken erhoben. Das Tragen wird zum Balanceakt; trotzdem vermitteln beide Figuren sichtliche Freude an der „wackeligen“ Position.

 

Derartige, heitere Darstellungen, besonders die von Kindern, waren in der Wilhelminischen Zeit sehr beliebt und gehörten damals zur kunst- und anspruchsvoll gestalteten Wohnungseinrichtung. Wie sehr Bossard, vor allem mit seinen Kleinbronzen in dieser Ausstellung Zuspruch fand, zeigen die Rezensionen in der Presse. „Am glücklichsten ist Bossard in seinen kleinen Bronzen, die einen liebenswürdigen Humor zeigen“, schrieb die Deutsche Zeitung (7.10.1906) und die Tägliche Rundschau resümierte: „[I]n diesen Sachen scheint Bossard ein weit größerer Künstler als in seinen gewollten Monumentalitäten und Abgründigkeiten [zu sein].“ (10.10.1906).

 

Bei seinen frühen Kleinbronzen (bis 1907) orientierte sich Bossard an den antikisierenden Werken Adolf von Hildebrands und seiner Nachfolger. Sie waren nicht nur gut auf den Zeitgeschmack abgestimmt, sondern bahnten ihm auch den Weg zu gesellschaftlicher Anerkennung und finanzieller Sicherheit. Zudem kam Bossard durch sie zu einem weiteren, sein Ansehen steigernden Auftrag, der Mitgestaltung an der Raumausstattung des legendären Hotels Adlon, das als erstes Haus einer neuen Luxusklasse 1907 seine Pforten öffnete. Im selben Jahr bewarb sich Bossard an der neu ausgerichteten Kunstgewerbeschule in Hamburg auf ein Lehramt für Bildhauerei und wurde genommen. Seine künstlerischen Erfolge in der Berliner Zeit waren dafür maßgeblich verantwortlich. Barbara Djassemi