Vorhof zum Baumtempel

Jutta und Johann Bossard, um 1930

Im Gegensatz zu vielen anderen Künstlergärten war der Garten für Johann und Jutta Bossard kein Bildmotiv. Die Gartenanlage spielte für sie jedoch eine entscheidende Rolle für ihre Idee vom Gesamtkunstwerk: Als Ort der Selbstversorgung, aber auch als Ort der inneren Einkehr. In ästhetischer Hinsicht stellen die großen, schlichten Freiflächen ein Gegengewicht zu den intensiv gestalteten Innenräumen an der Kunststätte Bossard dar.

In der Gartenanlage findet sich auch der so genannte Steinkreis oder Vorhof zum Baumtempel. Er hat die Form eines Halbkreises und ist umlaufend durch eine Reihe kleinerer Feldsteine markiert. Zwei grob behauene, hohe Stelen bilden eine Eingangssituation; mittig gegenüber führen einige Steinstufen nach oben in einen quadratischen Fichtenraum, den so genannten Baumtempel. Zusammen mit dem Vorhof kann er als Pendant zum Kunsttempel mit seinem Vorbau gesehen werden. Seine Schlichtheit steht in starkem Kontrast zur überbordenden Gestaltungsfülle des Kunsttempels.

Im Februar 1930 konnte Jutta Bossard ihren Mann nicht mit zu seiner Arbeitswoche nach Hamburg begleiten, da sie erkältet war. Stattdessen blieb sie an der Kunststätte und schrieb Johann Bossard von dort am 5.2.1930: „Ernst Brockmann hat alle Steine gebracht vom Hof, und heute ist er zum Pflügen da. Bahlburg war am Montag nicht da, der Kutscher bringt noch den Bescheid mit, ob wir dann Steine holen können. Wenn du kommst, bin ich sicher wieder gesund, dann können wir den Halbkreis legen.“ 1930 wurden also die Steine für den Vorhof zum Baumtempel gesetzt. Dabei half vermutlich auch Jutta Bossards ältere Schwester Wilma Krull mit.

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