Heidelandschaft von Johann Bossard, o.J.

Johann Bossard, Heidelandschaft, o. J. (1949?)

Öl-Tempera-Mischtechnik auf Leinwand, 100 x 102,5 cm, Inv.-Nr. JB 1659

Vor allem ab dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts zog es viele Landschafts- und Genremaler in die Lüneburger Heide. Mit der Industriellen Revolution wurde diese, damals als „ursprünglich“ wahrgenommene Landschaft, als Kontrast zu den sich rasch entwickelnden Großstädten zunehmend positiv bewertet. In der sandigen Einöde mit überwiegend flachem, aber farbintensivem Bewuchs, fanden die Maler noch unverbrauchte Motive. Sie waren gleichsam „Entdecker“ der neuen Landschaft und Vorboten für den kurz darauf einsetzenden Heidetourismus.

Ihre Arbeiten zierten als Ölbild die Wohnzimmer gut situierter Bürger und wurden als industriell gefertigter Öldruck für die breite Bevölkerung erschwinglich. Auf Heimatkalendern und Postkarten wurde die Lüneburger Heide weit über die Landesgrenze hinaus bekannt.

Von dem lauten Großstadtleben geplagt, fand auch Johann Michael Bossard, der seit 1907 an der Staatlichen Kunstgewerbeschule in Hamburg als Lehrer einer Bildhauerklasse arbeitete, in der Heide die nötige Ruhe und vor allem einen weiteren Wirkungsort. Er kaufte 1911 ein Grundstück in Jesteburg-Lüllau und gestaltete darauf bis zu seinem Tod 1950 ein Gesamtkunstwerk aus Architektur, Malerei, Bildhauerei, Kunstgewerbe und Gartenkunst.

Bossards zentrales Thema war der Mensch. Reine Landschaftsbilder gibt es von ihm kaum. Lediglich in seiner Akademiezeit hat er sich in einigen Studien diesem Genre gewidmet.

Eine Ausnahme bildet die Heidelandschaft, die der Künstler wahrscheinlich in einem seiner letzten Lebensjahre gemalt hat. Während die meisten anderen Gemälde Bossards zwar expressiv, aber gegenständlich sind, geht das Heidebild ganz ins Abstrakte. Dass es sich um eine Landschaft handelt, lässt sich nur anhand der unterschiedlichen Strukturen und Farbflächen der verschiedenen horizontalen Ebenen erahnen.

Die Heidelandschaft wirkt wie ein Fazit, ein emotional aufgeladenes Bekenntnis, das Bossard kurz vor seinem Ableben mit pastosem und bewegtem Pinselstrich auf der Leinwand festhalten wollte. Es ist das Bild der lieb gewonnenen Landschaft, wie sie der Künstler vor seinem inneren Auge hatte. Für ihn war die Heide nicht nur das natürliche, ins Gleichgewicht zu bringende Pendant zur Großstadt. Vielmehr stand sie für ihn symbolisch als das Ziel des sehnsüchtigen Suchers nach einer besseren Welt.                                                                                                                                                                           

Barbara Djassemi

 

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