Jutta und Johann Bossard vor dem Kunsttempel, 1928

sowie Thea Krull an ihrem Hochzeitstag zusammen mit ihren Schwestern, 1924, Fotos aus dem Archiv Kunststätte Bossard

Die Aufnahme von Jutta und Johann Bossard entstand kurz nach der Fertigstellung des Kunsttempels, wohl im Jahr 1928, zwei Jahre nach ihrer Hochzeit. Es ist eines der wenigen Fotos, das die beiden gemeinsam zeigt. Im Gegensatz zu Johann Bossard hat Jutta Bossard auf dem Foto einen angespannten Gesichtsausdruck. Ob sie müde war oder sich in ihrem sehr modischen Kleid unwohl fühlte, wissen wir nicht. Jutta Bossard selbst nahm dieses Foto wohl selbst mit Humor, da sie auf die Rückseite des Abzugs schrieb: „Bitte recht freundlich!“ Johann Bossard, der angelehnt mit seinen Händen hinter dem Rücken und einem festen Stand an der Wand des Kunsttempels steht, blickt zufrieden in die Ferne. Wie auf fast allen Aufnahmen wendet er seine rechte Gesichtshälfte und damit sein erblindetes Auge von der Kamera weg.

Das die Bossards wenig Aufheben um sich selbst machten, spiegelt sich auch an ihrer Hochzeit wieder. Weder existiert ein Foto der Bossards als Brautpaar noch eines von der Hochzeit. Genauso ungewiss ist, ob Jutta Bossard überhaupt ein Hochzeitskleid trug und ob eine Feier stattfand. Nach eigener Aussage von Jutta Bossard fuhren die frisch verheirateten Eheleute an ihrem Hochzeitstag, am Vormittag des 11. August 1926, nach ihrer Trauung in Buxtehude, mit dem Auto gemeinsam zur Kunststätte nach Jesteburg. „Wir hatten beide große Lust, auch an diesem Tage etwas in Ton zu modellieren. Unsere gute Einhüterin, „Mutter Schreyer“, suchte uns an diesem Tage im Atelier auf und war ganz entsetzt. Das war für sie keine Hochzeit.“

Im direkten Gegensatz zu Jutta Bossard, ließ sich ihre ältere Schwester Thea Krull anlässlich ihrer Hochzeit 1924 mit ihren Schwestern fotografieren. Die Braut trägt ein Hochzeitskleid und einen Schleier, drei der vier Schwestern sind als Brautjungfern in hellen Farben gekleidet. Es war also in Jutta Bossards Familie durchaus üblich, eine Hochzeit aufwändiger zu feiern und dabei auch fotografiert zu werden.

Seine Hochzeit gab das Künstlerpaar mit einer bescheidenen, kleinen Karte mit dem Aufdruck „Johann und Jutta Bossard, Vermählte“, bekannt. Es scheint fast so, als wollten die Bossards mit ihrer Hochzeit nicht nur einen Bund fürs Leben schließen, sondern sich vor allem ihren gemeinsamen künstlerischen Zielen widmen. „Von der Tiefe unserer gegenseitigen Neigung reden wir nicht, sie ist unsere innigste Gewissheit“, schrieb Johann Bossard in einem Brief an Ernst Krull, Juttas Vater, in welchem er Juttas und seine Gründe für die Hochzeit erläuterte. Der Grund für die Zurückhaltung liegt sehr wahrscheinlich auch am Wesen von Johann Bossard. Nach Jutta Bossard sprach ihr Mann nicht gerne von sich und seinem Leben. Als sie ihn eines Tages fragte ob er ihr etwas aus seinen frühen Tagen erzählen könne, antwortete er nur „ Ich mag nicht, es ist gar nicht viel Frohes dabei. Und wen sollte es interessieren? Wem meine Kunst etwas bedeutet, der hat ja damit das Wesentliche.“

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