Johann Bossard: Porträt Max Lucke, 1906

Radierung, WVZ Lebelt 2015, B22, http://werkverzeichnis.bossard.de/heron-art/portaet-max-lucke/

 

1894 zog Bossard aus seiner Geburtsstadt Zug in der Schweiz nach München, wo er zuerst an der Königlichen Kunstgewerbeschule und anschließend an der Akademie der bildenden Künste studierte. Nachdem er als freischaffender Künstler keine Erfolge verbuchen konnte, zog er im Frühjahr 1897 nach Berlin. In der kaiserlichen Reichshauptstadt lernte er den Graphiker Hermann Robert Catumby Hirzel (1864-?) kennen. Dieser führte den 10 Jahre jüngeren Bossard in den Kreis um den wohlhabenden Berliner Holzhändler Max Lucke (1866-1927) ein. Lucke entwickelte sich zu Johann Bossards erstem Förderer. Er verschaffte Johann Bossard in dessen Berliner Zeit sowohl private als auch öffentliche Aufträge, vorrangig im Bereich der Bildhauerei. 1904 vermittelte er ihm einen Auftrag für die figürliche Ausschmückung eines Mausoleums auf dem Neuen Georgenfriedhof in Berlin. Die Einkünfte aus dem Auftrag ermöglichten Bossard im Jahr 1905 einen fast einjährigen Studienaufenthalt in Rom. Als Ehrenbürgermeister von Berlin-Treptow vermittelte Lucke ihm in den Jahren 1911 bis 1913 Aufträge für Bauplastiken an der Fassade des Treptower Rathauses und des dortigen Gymnasiums. In Folge des Ersten Weltkrieges und der fortschreitenden Inflation lag das Unternehmen Lucke „katastrophal danieder“ und die Holzhändlerfamilie musste auch in ihrer Kunstförderung zurück stehen.

Das Porträt von Max Lucke, dass dieser 1906 in Auftrag gab, wurde von Bossard als Druckgrafik umgesetzt, was auf Begeisterung bei Lucke stieß. Auch andere Betrachter wie Max Francke, ein weiterer Förderer Bossards, fanden „[diese] Idee mit dem Porträt in Kupferstich […] glänzend“ (Brief von Max Lucke an Johann Bossard, 6.7.1906, AJB86). Bossard führte das Porträt als Schulterstück aus, indem Max Lucke im Halbprofil mit Oberlippenbart, kurzem Haar und formeller Kleidung dargestellt ist. Der Bildausschnitt lässt Revers, ein Hemd mit Kläppchenkragen und einen Querbinder erkennen. In der repräsentativen Darstellung blickt Max Lucke mit aufgerichtetem Kopf am Betrachter vorbei in die Ferne. Der Künstler signierte auf seine typische Weise mit dem JB-Monogramm und 3 Kreisen.

Bossard fertigte neben den schwarzen auch farbige Abdrücke des Porträts an. Er kolorierte auf diesen Blättern das Gesicht Luckes in rot. Die Auflagenhöhe ist nicht bekannt.

Einen Blick auf Bossards Exlibris und sein gesamtes druckgrafisches Schaffen können Sie im Online-Werkverzeichnis der Druckgrafiken werfen:

http://werkverzeichnis.bossard.de

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