Jutta Krull und Johann Bossard: Briefe aus der Verlobungszeit, 1926

„Liebes, Gutes, herzlichst freue ich mich Dein & unserer Pläne zu gedenken & alles Schöne & Gute verknüpft sich mir mit Dir. Ich fühle, wie sich unsere Strahlen begegnen.“ Mit diesen Worten wendet sich Johann Bossard am 8. August 1926 an seine Verlobte Jutta Krull, der er wenige Wochen vorher – für sie völlig überraschend – einen Heiratsantrag gemacht hatte. Der 52 Jahre alte Künstler hatte sich in seine ehemalige Schülerin verliebt und war beglückt, dass sie bereit war, seine Gefühle zu erwidern: „Schön ist es, einen Besitz sein eigen zu nennen, der nicht von Äusserlichkeiten abhängig ist: Unsere Liebe.“

Am gleichen Tag schreibt auch die 23jährige Jutta Krull ihrem Verlobten und konzentriert sich auf praktische Belange: „Lieber also ich war bei dem Autofritzen und der benötigt 50 M[ark] so teuer für die Fahrt nach Jesteburg das ist doch viel wenn wir dafür um 2 Uhr mit der Bahn führen[?]“ Als Tochter einer bürgerlichen, aber nicht wohlhabenden Familie (so nahmen die Krulls in Buxtehude Untermieter auf und der Vater Ernst Krull besserte sein Gehalt als Realschullehrer mit Nachhilfestunden auf) war Jutta Bossard eine Fahrt im gemieteten Wagen von ihrem Wohnort Buxtehude nach Jesteburg offenbar zu teuer.
Postwendend antwortet Johann Bossard auf den Brief seiner Zukünftigen: „Liebes Gutes! Freut mich sehr dass Du so sparsam denkst! Aber klein bischen Festtag wollen wir morgen doch machen & bekanntlich geht das doch nie ohne etwas Geld zu verjuchheien.“

Abgesehen von der Autofahrt von Buxtehude nach Jesteburg wurden für die Hochzeit wohl keine besonderen Ausgaben getätigt. Es scheint keine Feier und kein aufwändiges Essen gegeben zu haben, vermutlich auch keine neue Kleidung für Braut und Bräutigam (s. dazu das Kunstwerk des Monats Januar). Gleichwohl wurde die Ehe zwischen Johann Bossard und Jutta Bossard sehr glücklich. Davon zeugt nicht nur das gemeinsame Gesamtkunstwerk Kunststätte Bossard, sondern auch die weiteren Briefe, die sich die Bossards im Laufe ihrer Ehe schrieben.

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