Johann Bossard: Der Pessimist (um 1930/1931)

Zwischen den zahlreichen Werken in der Skulpturenreihe an der Kunststätte Bossard findet sich die Darstellung eines überlebensgroßen, mürrisch schauenden Kopfes. Nach Zeitzeugenberichten ist ein „Pessimist“ dargestellt. Die Plastik wurde aus rotem Ton geformt und ist unglasiert.

Johann Bossard beschäftigte sich in seinen Briefen immer wieder mit der Frage, ob er selbst eher ein Pessimist oder eher ein Optimist sei und schuf um 1930/31 zwei Köpfe, die je eine dieser Lebenseinstellungen verkörpern.

Das dargestellte Gesicht ist von Zorn- und Sorgenfalten durchzogen und die nach unten gezogenen Mundwinkel tragen dazu bei, dass der Anblick der Skulptur verdrossen und bedrückend ist. Im Gegensatz zu dem „Optimisten“, der ein Paar Plastiken weiter rechts in der Skulpturenreihe steht, schaut der Pessimist zu allem Überdruss auf einen Wacholder, der direkt vor der Skulptur gepflanzt worden ist. Ob die Bossards den Strauch bewusst dort platzierten bleibt offen, aber es passt doch sehr zum Gesamtbild des „Pessimisten“, der regelrecht gegen eine Wand zu starren scheint.

Der Kopf ist seitlich und rückseitig als schlichte gewölbte Form, ohne weitere Details, gestaltet. Zu sehen sind nur das Gesicht, der Bart sowie der Haaransatz an der Stirn. Die Plastik erinnert damit mehr an eine Maske als an eine Rundplastik.

Die Skulpturenreihe wurde im Zeitraum 1930/31 errichtet. Um die Zusammengehörigkeit der Skulpturen und Plastiken, welche alle in verschiedenen Materialien angefertigt worden sind, zu verdeutlichen, fertigte Bossard für jede Skulptur einen gemauerten Backsteinsockel und platzierte die fertigen Kunstwerke alle vor einer einheitlich grünen Eibenhecke. Zusätzlich zum Wohn- und Atelierhaus, dessen Fassade durch die Architektur bestimmt wird, und zum Kunsttempel, in dem Architektur und Plastik regelrecht miteinander verschmelzen, setzt Bossard als dritte Komponente und als Abschluss des zentralen Hofplatzes die Plastik im Zusammenspiel mit der Natur ein.

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